Ankommen war das Ziel

Trailrun Heidelberg – Das Ziel lautet: Ankommen

Sich um seine Partner kümmern

  • Ein 42km Trail-Marathon mal eben so?
  • Ohne große Vorbereitung?
  • Wie kommt man denn auf so schwachsinnige Ideen?

Also um ehrlich zu sein bin ich nur der Einladung von Katrin gefolgt, die sich hier schon länger angemeldet hatte. Wir sind Ende September noch in Gelnhausen den 2ten Gelnhäuser Trailrun gelaufen. 24km mit insgesamt 630 Höhenmetern. Da dachte ich mir, dass man doch mal eben die Zahlen tauschen kann. Nur mit den Höhenmetern habe ich mich etwas verschätzt.

Trailrunning als Metapher für Potentialentfaltung und Führung. Teil 4 von 4 – hier geht es zu Teil 1

Gelnhäuser Trailrun
Der Gelnhäuser Trailrun. Ein richtig starker Lauf mit 24 Kilometern und circa 650 Höhenmetern. Von mir das Prädikat: absolut empfehlenswert. Wenn das zeitlich läuft, sind wir nächstes Jahr wieder am Start.

Unser Ziel war definiert: Ankommen, irgendwas um die 5 Stunden und 30 Minuten. Wir werden eines besseren belehrt. Ob das am Wetter liegt?
Am Start lasse ich mich von dem Lossprinten der Teilnehmer gar nicht mitreißen. Nicht am Anfang schon die Kraft verschießen.

Wie heißt es doch so schön: Hinten ist die Ente dick.

So etwas wird am Ende entschieden und nicht am Start.

Katrin zieht irgendwie los und wir verlieren uns am Anfang aus den Augen. Irgendwann und circa bei Kilometer 25 oder so… ist sie auf einmal wieder auf einem rutschigen Stück bergab vor mir. Ihr Knie macht nicht ganz so mit. Daher hat sie etwas das Tempo gedrosselt. Sie kommt irgendwann bei 6 Stunden und 30 Minuten ins Ziel. Glücklich den Körper besiegt zu haben.
Irgendwie läuft jeder sein Tempo und seinen Rhythmus und dennoch fragt man sich zwischendurch wie es geht.

Dann ist da Gert. Der Typ ist völlig irre – also im Prinzip, wie ich. Er gehört zu denen, die für Stimmung sorgen und etwas mehr reden als die anderen. Einziger Unterschied: er läuft heute die 50 Kilometer. Respekt. Ich weiß gar nicht wie oft er an mir und ich an ihm vorbei ziehe. Irgendwann zieht er dann aber weiter.
Irgendwie eine starke Erfahrung mit diesen Menschen auf der Strecke. Ich komme mit ganz vielen ins Gespräch. Manchmal kurz, manchmal länger…

Conny die toughe Läuferin

Conny taucht irgendwann nach einer Verpflegungsstelle auf. Sie drosselt enorm das Tempo und ich frage, ob alles gut bei ihr ist. Zerrung ist ihr Problem an diesem Punkt. Sie macht langsam, ich laufe weiter. Es muss wohl die dritte Verpflegungsstelle gewesen sein. An der vierten bei Kilometer 30 ist sie nicht mehr da. Und dann auf einmal? An der Himmelsleiter – den 800 Stufen, die hier im Wald rumliegen – da ist sie auf einmal wieder da. Mein absoluter Respekt! Sie wäre zwar lieber unter 6 Stunden gelaufen. Aber mal ganz ehrlich?

Und Pit der Streckenposten ruft es uns zu, kurz bevor es auf die Himmelsleiter geht:“Ihr seht alle super aus. Es sind noch 6,2 Kilometer bis ins Ziel. Das ist eine Wahnsinnsleistung, was ihr heute hier abliefert. Bleibt dran. Im Ziel gibt es Weizenbier.“
hmmm… zu diesem Zeitpunkt wusste ich das mindestens eine Sache gelogen war.

Wir sahen alle ziemlich fertig aus. Und gut – er konnte nicht wissen, dass das Weizenbier leer war.
Aber an dieser Stelle großen Dank an alle Streckenposten! Wir konnten ja laufen und haben noch dafür bezahlt. Die stehen hier fast den ganzen Tag im Regen und warten das jemand vorbeikommt. Ganz viele feuern uns an und lachen freundlich zurück, wenn ich mich dafür bedanke, dass sie das tun. Ganz ehrlich – denn das ist nicht selbstverständlich. Ich bin überwältigt von diesem Einsatz – also auf beiden Seiten!

Irgendwo um Kilometer 25 – kurz bevor Katrin kurz wieder auftaucht – läuft mir Henrike über den Weg. Sie ist ursprünglich wegen dem Studium nach Heidelberg.
Bleibt dort und arbeitet jetzt im Krankenhaus. Auch wir kommen ins Gespräch. An einem Abhang macht sie den Abflug, steht auf und läuft weiter. Sie ist bei der Staffel mit 4 anderen dabei. Auch eine Leistung, denn das Team dafür musst du erst einmal finden. Sie ist aber schon Profi, denn sie hat schon öfter teilgenommen.
Ich muss hier glaube ich auch nochmal mitmachen. Dann aber bitte bei besserem Wetter.

So jetzt die Frage: Was hat das mit Deinem Team zu tun?

  • Ganz einfach – kümmerst Du dich auch in schweren Zeiten um Deine Leute?
  • Sprichst du mit ihnen, wenn es bergauf und bergab geht?
  • Weißt Du wie es Deinem Team geht oder stehen die alleine im Regen?

Das sind ganz entscheidende Fragen, die Du dir als Führungskraft stellten solltest.

Und auch bei der Selbstführung.

  • Wie steht es um Deine inneren Anteile?
  • Hörst Du denen zu?
  • Bekommt jeder eine Stimme?

Diese Fragen gilt es zu klären…

Den Sieg das Ankommens feiern und sich freuen über die Herausforderung!!

Bei Kilometer 35 kommt die Himmelsleiter

Und dann? Irgendwann?

Geplant war dieses Ziel hier mit fünfeinhalb Stunden. Das ist aber weit gefehlt. Nun ja, was soll ich sagen. Conny war auf dem letzten Stück enttäuscht, dass nicht unter 6 Stunden gerockt zu haben. Ganz egal -sage ich mir immer wieder.
Wir haben unsere Antwort auf diese Frage ja schon bekommen.

„Das ist eine Wahnsinnsleistung, was wir hier abliefern.“

Dem stimme ich zu 100% zu!
Bei meiner Vorbereitung, bei dem Wetter und bei denen Höhenmetern. Das war schon ein krasses Teil dieser Gelita – Trailmarathon.

  • 6 Stunden Dauerregen
  • 8 Grad Außentemperatur
  • 42 Kilometer
  • 800 Treppenstufen
  • 1500 Höhenmeter

Das darf auf jeden Fall gefeiert werden!

Ich bin echt Megastolz und breche nach dem Zieleinlauf erst einmal in Tränen aus.

  • Tränen der Erleichterung, endlich angekommen zu sein
  • Tränen des Stolzes, durchgehalten zu haben
  • Tränen der Freude, dass der Körper mitgemacht hat
  • Tränen des Glücks, darüber was alles möglich ist.

Oder um es mit den Worten von Bruce Lee zu sagen:
„Der erfolgreiche Kämpfer ist der Durschnittsmensch mit laserähnlichem Fokus.“

Ankommen war das Ziel

Trailrunning als Metapher für Potentialentfaltung und Führung. Teil 4 von 4 – hier geht es zu Teil 1

Der Vergleich ist oftmals des Glückes Tod. Wir orientieren uns zu sehr an Vorbildern, die viel zu weit weg sind. Am Ende sind wir dann enttäuscht., weil wir nicht erreicht haben, was andere erreicht haben und können den Erfolg gar nicht mehr feiern.

Daher ist es umso wichtiger, zu sehen, was man gerade erreicht hat und das ausreichend zu honorieren und anzuerkennen.

Nach diesem Lauf will ich nur noch eins: eine warme Dusche und frische Klamotten…

Zusammenfassung meiner Learnings bei diesem Lauf:

  1. gemeinsames Ziel vor Augen haben
  2. ein wertschätzendes Umfeld, ein starkes Team aufbauen
  3. gut vorbereitet sein
  4. gute Laune darf immer im Gepäck sein
  5. Höhen und Tiefen im Blick haben
  6. Zwischenziele feiern
  7. Regelmäßig Pausen für Erholung einbauen
  8. sich von Problemen nicht beeindrucken lassen
  9. denn: Probleme sind auch nur Herausforderungen
  10. sorge immer wieder für Partner/dein Team
  11. Feiere den Sieg des Ankommens

Medaille und Urkunde aus Heidelberg

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