Klettern, Hitze und Hyponatriämie – hättest du das gewusst???

Klettern, Hitze und Hyponatriämie – hättest du das gewusst???

Arbeiten bei Hitze in der Höhenarbeit – PSAgA, Rettungskonzept und warum Trinken allein nicht reicht

Höhenarbeit zwischen Verantwortung und körperlicher Belastung

Das Leben bringt bekanntlich seine Höhen und Tiefen mit sich – kleines Wortspiel, wenn man als Höhenarbeiter – besser bekannt als Industriekletterer – im Hochregal unterwegs ist.
Es ist zwar schattig – aber direkt unter der Hallendecke Sprinklerrohre montieren – das ist Sport und Sauna in einem…
Höhen und Tiefen also im wahrsten Sinne des Wortes. Was ich aus meinem Leben als Marathoni mit in den Job einfließen lassen kann?
Denn Klettern im Hochregal ist unter den Bedingungen, wie wie sie neulich auf der Baustelle hatten, verlangt dem Körper so eniges ab!

Für meinen Beruf – oder sollte ich besser Berufung sagen?? – trifft einiges davon zu.
Als Trainer für Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) bin ich deutschlandweit unterwegs und vermittle den sicheren Umgang mit Absturzsicherung und Rettungskonzepten.
Gleichzeitig arbeite ich als aufsichtsführender Höhenarbeiter Level 3 auf Baustellen in ganz Deutschland.
Genau diese Verbindung aus Theorie und Praxis macht meine Arbeit aus – und liefert immer wieder Erfahrungen, die direkt in meine Schulungen einfließen.
Und genau deswegen mag ich diese Kombination aus Schulung und Handwerk.

Wenn ich in den Schwarzwald zum Klettern fahre…

Vor wenigen Tagen führt mich ein Auftrag in ein Hochregallager im Schwarzwald. Wo andere zum Urlaub machen hinfahren, um klettern zu gehen, fahre ich zum Arbeiten in luftige Höhen…
Gemeinsam mit fünf weiteren Höhenarbeitern installieren wir Sprinklerleitungen für den vorbeugenden Brandschutz.
Die Fire-Protection-Anlage sorgt später dafür, dass ein möglicher Brand frühzeitig bekämpft werden kann.
Eine wichtige Aufgabe – allerdings diesmal unter extremen Bedingungen.

morgendliche Impressionen aus dem Schwarzwald

40 Meter Höhe und gefühlte 60 Grad

Unser Arbeitsplatz befindet sich rund 40 Meter über dem Hallenboden direkt unter dem Dach. Morgens ist das Arbeiten noch angenehm.
Doch mit jeder Stunde heizt die Sonne das noch ungedämmte Hallendach weiter auf. Die Temperaturen fühlen sich schnell wie deutlich über 60 Grad an.
Eine Sauna ohne Aufguss – nur mit Klettergurt, Helm und Werkzeug – das sind ja gleich drei Dinge auf einmal! das geht nun wirklich nicht!

  • Jeder Schritt kostet Kraft.
  • Jeder Meter nach oben bedeutet Temperatur.
  • Jeder Handgriff lässt den Schweiß laufen – in die Augen und die Poritze.

Wer in der Höhenarbeit tätig ist, weiß: Bei solchen Bedingungen muss der Körper Höchstleistungen erbringen.

  • Flüssigkeit,
  • Energie und
  • Konzentration

werden zu entscheidenden Sicherheitsfaktoren.

Frühstück am Morgen - vertreibt Kummer und Sorgen

„Hinzu kommt ein Glas Orangensaft, Müsli mit Obst und dann kann es auch schon losgehen…“

Viel trinken – aber mit Augenmaß

Natürlich trinken wir bei solchen Einsätzen sehr viel. Dennoch muss ich an meine Zeit als Marathon- und Ultramarathonläufer denken.
Bei mehreren heißen Marathonveranstaltungen – unter anderem in London (2014 und 2018) – wurde immer wieder über Fälle einer belastungsbedingten Hyponatriämie berichtet.

Dabei wird durch übermäßiges Trinken der Natriumgehalt im Blut gefährlich verdünnt.

Erste Anzeichen können

  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel,
  • Übelkeit oder Verwirrtheit sein.

Besonders tückisch: Diese Symptome ähneln häufig denen einer Hitzeerschöpfung oder eines Hitzschlags.
Während beide Situationen medizinische Notfälle darstellen, kann eine schwere Hyponatriämie innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden und zum Tode führen.

Deshalb lautet die Empfehlung heute nicht mehr, möglichst viel Wasser zu trinken. Viel wichtiger ist eine gleichmäßige Flüssigkeitsaufnahme über den gesamten Arbeitstag, angepasst an den tatsächlichen Flüssigkeitsverlust.
Ebenso wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten sowie der Ersatz der verlorenen Elektrolyte.

Abendmahl in Staufen

„Wenn man schon mal unterwegs ist, dann kann man auch die touristischen Highlights der Region besuchen.
Staufen hat eine sehr schöne Altstadt, es gibt lecker Pizza und Eis geht ja bekanntlich immer!“

Gefährdungsbeurteilung: Das Wetter nicht vergessen!

Gefährdungsbeurteilung bedeutet auch: den Menschen im Blick behalten
In meinen PSAgA-Schulungen vermittle ich regelmäßig, dass Sicherheit weit mehr bedeutet als Helme, Auffanggurte und Verbindungsmittel.

Jede Tätigkeit beginnt mit einer Gefährdungsbeurteilung. Dabei betrachten wir die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses ebenso wie das mögliche Schadensausmaß.
Genau daraus entsteht ein wirksames Rettungskonzept.

Wer ausschließlich an Absturzgefahren denkt, greift allerdings zu kurz.

  • Extreme Hitze,
  • körperliche Erschöpfung oder eine
  • Hyponatriämie

gehören ebenfalls zu den Risiken, die berücksichtigt werden müssen. Denn wenn das mögliche Schadensausmaß bis hin zum Tod reicht, dürfen diese Gefahren niemals unterschätzt werden.
Ein professionelles Rettungskonzept berücksichtigt deshalb nicht nur den Absturz, sondern auch medizinische Notfälle während der Arbeiten.

Spiegelselfie auf der Baustelle

„Nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen im Blick haben! Höhenarbeit ist Teamarbeit.
Für viele bedeutet TEAM als Akronym ja: Toll Ein Anderer Macht´s!
Aber diese Phrase bedeutet gleichzeitig 50 Euro ins Phrasenschwein. Denn TEAM kommt aus dem Englischen und
bedeutet: Together Everyone Achieves More – Gemeinsam erreicht jeder Einzelne so viel mehr! Isso!!“

Arbeiten in der Höhe beginnt mit der eigenen Fitness

Mit inzwischen 50 Jahren stelle ich fest, dass mein wichtigstes Arbeitsmittel nicht das Seil oder der Gurt ist – sondern mein eigener Körper, die eigene Fitness – wenn ich aktuell von einer reden kann…

Wer dauerhaft sicher in der Höhe arbeiten möchte, MUSS in seine Gesundheit investieren.

  • Ausreichender Schlaf,
  • vernünftige Ernährung,
  • regelmäßige Bewegung,
  • Krafttraining,
  • Beweglichkeit und
  • Ausdauer

gehören für mich genauso zum Beruf wie die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA).
Davon kann man übrigens nie genug haben und sollte auch hier weiter optimieren und investieren.
DENN gute Technik den ganzen Tag, der eigene Akku ist im Laufe das Tages irgendwann leer…

Ordentlich am Schwitzen unter dem Hallendach

„Ich denke man erkennt deutlich dass hier geschwitzt wird! Im Marathon gitl bei heißen Temperaturen als Faustformel ein Becher auf 5 Kilometer
oder in einer Stunde einen halben Liter. Und einfach mal auf den Körper und reinspüren. Zu viel ist in diesem Fall nicht wirklich hilfreich
und kann schwere gesundheitliche Schäden mit sich bringen. Hyponatriämie ist hier das Stichwort – oder der Hashtag.
Bei den heißen Mararthons in London in 2014 und 2018 hat das einige Läufer auch das Leben gekostet! zu viel getrunken!“

Achte auf deinen Körper – du hast nur den einen!

Wer seinen Körper kennt, erkennt Warnsignale früher und kann rechtzeitig reagieren. Das schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Sicherheit des gesamten Teams.
Denn dem Team nutzt es nichts, wenn einer bewusstlos unter der Decke hängt und gerettet werden muss.
Das kostet Nerven und erfordert Energie – mal ganz davon abgesehen, dass die Arbeit in der Zeit liegen bleibt…!

Technik funktioniert (hoffentlich) den ganzen Tag

„Die Technik funktioniert den ganzen Tag; sofern der Akku regelmäßig getauscht und/oder geladen wird.
Der Körper kommt irgendwann an seine Grenze und ist dann leer. Dann heißt es Pause machen und Energie – in Form von Schlaf – auftanken.“

Sicherheit entsteht im Team und durch das TEAM

Höhenarbeit ist niemals eine Einzelleistung.
Wir kontrollieren gegenseitig unsere Ausrüstung (Hashtag: Vier-Augen-Prinzip),
achten auf Veränderungen bei unseren Kollegen und sprechen Probleme offen an. Gerade an heißen Sommertagen kann eine einfache Frage wie „Alles in Ordnung?” entscheidend sein.
Und dann braucht es vom Gegenüber eine klare Antwort. Wenn jemand den „wilden Mann“ markiert, dann gefährdet er nur die eigene Sicherheit und die der Kollegen.
Ach! und die Arbeit bleibt liegen!!

Rettungskonzept und regelmäßige Übung sind das A und O

Natürlich verfügen wir auf jeder Baustelle über ein Rettungskonzept für die Höhenrettung. Jeder im Team weiß, wie ein verunfallter Kollege aus der Höhe gerettet wird.
Gleichzeitig möchten wir alles dafür tun, dass dieser Plan niemals umgesetzt werden muss.
Im Prinzip wie die Feuerwehr, die regelmäßig übt und am besten nie raus muss!

Gutes Material im Einsatz

„Nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Ausrüstung. Bist du erst mal oben, heißt es sichern und schauen, dass du das Material sinnvoll einsetzt.
Beim nächsten Gang nach unten nicht nur die Elektrolyte und den Hunger ausgleichen, sondern auch fehlendes Equipment nachholen.“

Training ist so wichtig, weil jeder wieder sicher heimkommen möchte

Genau das vermittle ich auch als Trainer in meinen PSAgA-Ausbildungen:

  • Sicherheit beginnt lange vor dem ersten Schritt in die Höhe.
  • Sie beginnt mit Vorbereitung,
  • gegenseitiger Verantwortung,
  • einer realistischen Gefährdungsbeurteilung und
  • der Bereitschaft, auf sich selbst und auf andere zu achten.

Denn am Ende gibt es nur ein Ziel – unabhängig davon, ob ich als Trainer vor Teilnehmern stehe oder selbst in 40 Metern Höhe arbeite:

Alle kommen gesund und sicher nach Hause, weil dort jemand wartet…

Ein großes Dankeschön geht raus an Pawel von www.d-icd.com für die Einladung zu diesem Event.
Wer kann schon von sich sagen, dass er zum Klettern in den Schwarzwald fährt und dann Grenzerfahrung der besonderen Art macht???

Sicherer Blick des Höhenarbeiters

„Als Verantwortlicher Höhenarbeiter auf der Baustelle heißt auch immer wieder einen prüfenden Blick werfen.
Gleichzeitig ist jeder angehalten seinen Buddy zu checken. Denn 4 Augen sehen ja bekanntlich mehr als 2 Ohren!
Jeder muss mitmachen, damit alle abends wieder sicher nach Hause kommen!
Teamwork makes the dream work!“

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