Zwischen Funkmast und Freifall – warum gute Arbeit in Deutschland wieder mehr Wertschätzung braucht
Es gibt Baustellen, die bleiben im Kopf. Nicht wegen Chaos, Stress oder Problemen – sondern weil sie zeigen, wie gute Arbeit eigentlich funktionieren sollte.
Vor kurzem waren Martin von Industriekletterer Leipzig und ich gemeinsam auf einer Baustelle in Nordhessen unterwegs.
Unsere Aufgabe: die Installation einer neuen Antenne an einem Funkmast inklusive Herstellung des kompletten Kabelwegs.
Klingt erst einmal nach einem typischen Einsatz im Bereich Höhenarbeit.
Für uns war es aber gleichzeitig ein Beispiel dafür, wie wichtig Planung, Erfahrung und gegenseitiger Respekt im Arbeitsalltag geworden sind.

„Du musst dem Kollegen Vertrauen und dem Material und Dir selbst auch noch. Das sind ja gleich DREI Dinge auf einmal.
Das geht aber! Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn Du dann noch Begeisterung mitbringst fürs Tun und vielleicht sogar noch
einen handwerklichen und/oder technischen Beruf gelernt hast… Dann bist du in dieser Branche herzlich willkommen!“
Gemeinsam sind wir stark und haben über 42 Jahre Erfahrung im Seil
Martin und ich bringen zusammen weit über 40 Jahre Erfahrung im Bereich seilunterstützte Höhenarbeit mit.
Wir wissen, dass Arbeiten in der Höhe keinen Platz für Improvisation lassen.
Genau deshalb beginnt eine sichere Baustelle lange vor dem ersten Karabiner am Gurt.
Bereits im Vorfeld wurden uns Pläne und Informationen zum Mast zur Verfügung gestellt.
Die Aufgabenstellung war klar definiert. Genau das ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr.
Immer häufiger erleben wir auf Baustellen fehlende Kommunikation, unklare Zuständigkeiten oder mangelhafte Vorbereitung.
Das kostet Zeit, Geld – und im schlimmsten Fall Sicherheit.

„Mehr als nur ein Job! Gleichzeitig auch Fitnessprogramm. Mal eben 50m die Leiter nach oben klettern?
Da sollte man fit sein und sich selbst gut einschätzen können! Sonst ist eine Rettung vorporgrammiert.
Bei guter Vorplanung muss man maximal 2 mal am Tag da hoch. Ruhig und kontriert. Das passt schon!“
Arbeitsvorbereitung – sinnvolle Zeit, die Zeit und damit Geld spart
An diesem Tag lief es anders.
Wir waren rund eine Stunde vor dem Team des Mobilfunkanbieters vor Ort.
Nicht, weil wir besonders hektisch arbeiten wollten, sondern weil Vorbereitung ein entscheidender Teil unserer Arbeit ist.
Während ich Material und Ausrüstung vorbereitet habe, ließ Martin seine Drohne steigen.
Ein kurzer Flug um den Mast verschaffte uns einen perfekten Überblick über die Situation in der Höhe.
- Wo befinden sich mögliche Anschlagpunkte?
- Wie verlaufen bestehende Kabelwege?
- Wo kommen wir effizient und sicher an die Montageposition?
Diese Informationen sparen später nicht nur Zeit. Sie erhöhen vor allem die Sicherheit für alle Beteiligten.

„Vom seidenen Faden kann hier keine Rede sein! Unsere Industriekletterseile halten im Strang um die 30kN – das sind
ungefähr drei Tonnen. Du bist immer redundant gesichert! Im schlimmsten Fall stürzt Du in deinen Falldämpfer, der die Krafteinleitung
in deinen Körper auf 6kN – sprich 600kg reduziert! Macht die Sache aber auch nicht wirklich besser. Wir reden hier über eine Schadenbegrenzung.
PSA-Kategorie III bedeutet: sie schützt uns vor tödlichen und irreversiblen Gefahren. Immerhin wirst du aufgefangen.
Es gilt das 4-Augen-Prinzip! Oder wie die Kletterer sagen: Partnercheck! sonst Partner weg!
Und was kommt dann danach? Das kann nur schlimmer werden. [IRONIE OFF]“
Gute Vorbereitung und dann geht´s los!
Danach ging alles Hand in Hand:
- Material zum Mast transportieren,
- aufsteigen,
- Antenne installieren und
- den Kabelweg sauber entlang des Masts herstellen.

„Sah von unten gar nicht so hoch aus! Manchmal sind die Dinge anders, als sie uns erscheinen. Und gleichzeitig ist das nichts für schwache Nerven.
Bei Jochen Schweizer zahlst du für ein solches Event locker 179,95 Euro. Okay! Dafür bekommst du es in einer schwarzen Geschenkbox überreichst.
Ein Job, der gleichzeitig auch ein bisschen Leidenschaft in sich hat… Und durch das integrierte Fitnessprogramm schafft er deine Leiden ab.
Den Vertrag in der Muckibude kannst du kündigen. Handwerk sucht (fast) über GUTE Leute!“
Wenn es schnell gehen soll – Mach langsam!
Während des Abseilens wurde das Kabel Stück für Stück montiert – kontrolliert, routiniert und ohne unnötige Hektik.
Anschließend warteten wir noch, bis die Techniker die neue Antenne eingemessen hatten. Der Einsatz war erfolgreich abgeschlossen.
Eigentlich sollte genau das normal sein.
Doch wenn man heute durch viele Branchen blickt, entsteht oft ein anderer Eindruck. Planung wird zunehmend als Zeitverlust angesehen. Erfahrung wird unterschätzt. Gute Fachkräfte verlassen Unternehmen, weil Wertschätzung fehlt. Und statt langfristig sauber zu arbeiten, wird vielerorts nur noch kurzfristig reagiert.
Ich habe darüber bereits auf meiner Internetseite geschrieben: Man hat teilweise das Gefühl, dass wir in Deutschland nicht nur langsam bergab gehen – sondern uns stellenweise schon im freien Fall befinden.
Das betrifft nicht nur das Handwerk oder die Arbeitssicherheit. Es betrifft die gesamte Haltung gegenüber Qualität, Verantwortung und Professionalität.
Dabei erleben wir in der Praxis jeden Tag, wie wichtig genau diese Dinge sind. Besonders bei Arbeiten in der Höhe gibt es keine zweite Chance. Schlechte Planung lässt sich dort nicht einfach „irgendwie lösen“. Fehler werden schnell gefährlich.
Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen wieder anfangen, Erfahrung ernst zu nehmen. Dass Menschen ausreichend Zeit für Vorbereitung bekommen. Dass Sicherheit nicht als notwendiges Übel gesehen wird, sondern als Grundlage professioneller Arbeit.

„Auf dem Weg nach unten gleich noch die Kabel verschellen. Und dann ist es auch schon wieder getan.
Konzentration, handwerkliches Geschick und ein gutes Miteinander; oder wie andere sagen: Ich lebe meinen Traum!
An diesem Tag hat sogar das Wetter noch gepasst!“
Arbeitssicherheit ist kein Zufall, sondern entsteht in der Planung
Denn gute Arbeit entsteht nicht zufällig!
Sie entsteht durch:
- klare Kommunikation,
- gute Vorbereitung,
- eingespielte Teams,
- moderne Technik und
- Menschen, die ihre Aufgabe ernst nehmen.
Unsere Baustelle in Nordhessen war deshalb weit mehr als „nur“ eine Antennenmontage. Sie war ein positives Beispiel dafür, wie Projekte funktionieren können, wenn alle Beteiligten professionell zusammenarbeiten.
Können wir etwas anders machen???
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem wir wieder ansetzen müssen.
- Weniger Schnellschüsse.
- Weniger „das passt schon“.
- Mehr Verantwortung.
- Mehr Qualität.
- Mehr Wertschätzung für Menschen, die täglich dafür sorgen, dass Infrastruktur, Industrie und Sicherheit überhaupt funktionieren.
Denn am Ende entscheidet nicht der lauteste Auftritt über den Erfolg einer Baustelle, sondern die Qualität der Vorbereitung und die Kompetenz der Menschen vor Ort.
Und genau darauf sollten wir in Deutschland wieder mehr stolz sein!

„Werd´ Industriekletterer haben sie gesagt! Kommste ganz groß raus, haben sie gesagt.
Allerdings kam ich bisher nur hoch hinaus. Am Rest muss ich noch arbeiten…
Aber gut Ding will manchmal auch Weile haben. Von stirbt hier Hoffnung mal wieder zuletzt.“
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„Gerade wollte sich mein Seilkürzer in der Struktur verhaken, da kommt der Tipp nach prüfendem Blick.
Teamwork makes ja bekanntlich the dream work. Zusammenarbeit klappt. Check!
Hier gilt es gut zusammenzuspielen, dann wird der Ablauf nahezu reibungslos. Dass es dennoch mal anders kommen
kann, haben wir anderen Jobs auch schon erfahren dürfen. Aber wohin würdest Du kommen, wenn du gar nichts vorplanst?“

Wenn man überlegt, dass man das Industriekletter-Handwerk eher unter „Laborbedingungen“ erlernt, dann ist das hier schon der Höhepunkt.
Die Trainingshallen sind irgendwo zwischen 5-8m… Und das war es dann meist auch schon. Drinnen, ohne Wetter und mit nem Kaffee vor Ort.
Plötzlich hängst Du an deinem Seilchen irgendwo in 50m Höhe und dann geht auch noch ein ordentlicher Wind.
Ganz andere Bedingungen und dann sollst Du auch noch Ruhe bewahren.
Da muss man mit der Zeit reinwachsen…
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