PSA – Persönliche Schutzausrüstung oder Pool-Schutzausrüstung?
Von Simon Karl, Trainer für PSAgA nach DGUV-Regel 112-198/199 und Ausbilder nach DGUV-Grundsatz 312-001
Frage an die Runde an alle die verantwortlich sind für PSA – sprich Persönliche SchutzAusrüstung, ob gegen Absturz und Absturzrisiko oder ohne…
Also eigentlich eine Frage an ALLE – also auch an DICH:
Wenn wir im Arbeitsschutz von „PSA“ sprechen – meinen wir dann wirklich noch PERSÖNLICHE Schutzausrüstung?
Oder ist das heute eher ein Pool-System mit dem Charme einer Grabbelkiste auf dem Flohmarkt?
Sprich: Jeder nimmt, was gerade da ist – ob’s passt oder nicht.

„Auf den Hund gekommen.
Würden sich manche Arbeitgeber und/oder Führungskräfte um ihre Mitarbeiter so kümmern, wie ich um meinen Hund.
Vielen wäre sicher geholfen und die Arbeit würde einem Großteil wieder Freude bereiten!“
„Realität und Praxis sind oftmals zwei paar Schuhe… oder drei?“
Wer regelmäßig mit Absturzsicherung zu tun hat, weiß: Die Realität ist oft näher an zweiterem. Es gibt Helme, die sind „für alle“ da, Gurte, die man irgendwie zurechtzieht, und Verbindungsmittel, deren Historie länger ist als die Betriebszugehörigkeit mancher Kollegen. Dabei reden wir hier nicht von Ersatzkabelbindern oder ausgeleierten Schraubenschlüsseln – sondern von Ausrüstung, die im Zweifel über Leben oder Tod entscheidet – sprich PSA der Kategorie 3!

Nicht überall gibt es die optimale Ausrüstung.
- manchmal aus Unwissenheit
- manchmal aus einem Sparwahn heraus
- manchmal aus purer Ignoranz heraus
Vor einiger Zeit sagte mir der Vorgesetzte in einem Unternehmen, dass das Geschäft mit Arbeitssicherheit und diesen Trainings auch nur
das Geschäft mit der Angst sei. Ich hab das einfach mal so stehen gelassen. Und bei den Mitarbeitern den Mem gepflanzt, ob erst einer auf der Strecke bleiben muss, bis sich etwas ändert…?“
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Ein Gurt für alle – passt schon, oder?
Nehmen wir das beliebte Beispiel der Absturzsicherung – kurz PSAgA:
Karl-Heinz, 57 Jahre alt, 1,75 cm groß, 86,4 kg – stabil gebaut, leidenschaftlicher Griller; wir kennen diesen Typ alle. Er heißt vielleicht nicht immer Karl-Heinz.
Und dann haben wir Dimitri, 29 Jahre alt, 1,87cm groß, 112 kg, geht fünf mal die Woche ins Gym,
trägt eher einen Latissimus als ein T-Shirt und macht trotz des Hinweises von Markus Rühl zweimal die Woche Legday!
Also der Typ, der zum Duschen eher Maschinenreiniger nutzt…

„mäßig bis schlecht eingestellter Gurt – einfach weil es zu lange dauert. Billigen Gurt gekauft, steifes Material, blöde Schnalle.
Sprich: mit einem Mist (!!) hätte auch ich keinen Bock zu arbeiten!“
Zurück zu Karl-Heinz und Dimitri:
Und nun beide im exakt selben Gurtmodell natürlich in nur einer Größe, denn nur so lässt sich wirklich Geld im Unternehmen sparen.
Laut Müsli-Malte aus dem Einkauf, der weit über die Regelstudienzeit hinaus BWL studiert hat, lässt sich der Gurt für alle anpassen.
Allerdings nur in der Theorie! Und was weiß der Büroheini schon von der Montage auf der Baustelle, wo im Prinzip das Geld verdient wird!
Sprich: Was nutzt uns die Aussage eines chronisch sparsamen Menschen, der NIE mit dem Gurt arbeiten muss???
Wie sieht das dann vor Ort aus?
Praktisch klemmt der Einsteller bei Dimitri unter dem Arm und zwickt im Schritt,
während bei Karl-Heinz das Gurtband noch zwei Ehrenrunden um den Bauch wickelt.
Trotzdem: ein Gurt für alle!
„Spare! Spare! G-Klasse kaufe“ wie der Schwabe im Volksmund sagt…
Allerdings spart man leider hier auch an Sicherheit der Mitarbeitenden!
Und hier wird’s ernst. Und damit ist nicht der Schweißer aus der Instandhaltung gemeint!

„Sieht schon besser aus! Richtig eingestellter Gurt. Passend auf die Körpergröße eingestellt und abgestimmt auf die Proportionen.
Da macht doch Arbeiten gleich viel mehr Freude, wenn ich nicht erst 20 Minuten brauche, um den Gurt richtig stramm zu ziehen,
damit er beim Absturz auch tut, was er machen soll…“
PSAgA – Kategorie III, gegen tödliche und irreversible Gefahren:
Denn PSA der Kategorie III – also für tödliche oder irreversible Gefahren – ist kein Ausrüstungsgegenstand wie ein Spind oder ein Werkzeugkasten.
PSA muss individuell passen! Sie muss sitzen, eingestellt, kontrolliert, gepflegt werden – und das am besten von demjenigen, der sie nutzt.
Alles andere ist kein Sicherheitskonzept, sondern eine Requisite aus dem Improvisationstheater.
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Persönlich ist mehr als ein Etikett
Dabei zeigen uns andere Gewerke, dass „persönlich“ durchaus wörtlich genommen werden kann. Ich war Anfang 2025 bei einer Gleisbaufirma im Ruhrpott,
die sich um innerstädtischen Gleisbau kümmern.
Da hat jeder Baggerfahrer seinen Bagger! Glaubst du nicht???
Name steht auf der Tür – kein Scherz!!

Ich durfte sogar in jeden mal reinschauen: Da drin war’s sauberer als bei manchem Pendlerauto nach dem Wochenende.
Da wird:
- der Joystick gewienert,
- die Kabine gepflegt,
- während die Musik aus dem Subwoofer ballert!
Warum? Weil es eben „der eigene Bagger“ ist. Und Apropo essen… Man konnte vom Boden essen, so sauber war es da drinnen!
Stellst du einen Bagger für 10 Baggerfahrer hin. Dann kannst du auch vom Boden essen. Aber nicht weil es so sauber ist,
sondern weil du garantiert von den letzten drei Wochen noch Speisereste auf dem Boden findest!
Adel verpflichtet – Eigentum auch, sagt man…
Oder für den Arbeitsalltag heißt das: Wer Verantwortung übernimmt, übernimmt auch Pflege.
Warum also nicht auch beim Gurt? Der ist doch kein Ramschartikel.
Warum bekommt man in vielen Betrieben seine eigenen Schuhe, die zur Fußform passen müssen – aber beim Klettergurt reicht ein Einheitsmodell für alle Körpergrößen zwischen Hobbithöhe und Giraffensilhouette?
Klar, Schuhe riechen schnell mal streng – aber ganz ehrlich: das tun Gurte auch, wenn sie ein halbes Jahr im feuchten Spind liegen und täglich durch drei Personenkörper vollgeschwitzt wurden.

Verantwortung ist nicht teilbar – PSA auch nicht
In meinen Schulungen zur PSAgA und zur Rettung sehe ich es immer wieder: Wenn die PSA als Poolware betrachtet wird, ist das Pflegeverhalten entsprechend.
Was nicht meins ist, wird auch nicht so behandelt. Und spätestens wenn’s um die richtige Einstellung der Gurtbänder, den Verschleißzustand der Karabiner oder die Historie des Verbindungsmittels geht, fällt dann auf: Keiner weiß, wer das zuletzt genutzt hat. Und ob überhaupt jemand kontrolliert hat.
So wird die persönliche Sicherheit zur kollektiven Unverantwortlichkeit.
Daher mein Vorschlag – nein, meine Forderung:
- Jeder, der regelmäßig mit Absturzsicherung arbeitet, braucht seine PSA!
- Keine Leihgabe.
- Kein Community-Gurt.
- Keine Ausrüstung „von der Stange“, die einmal im Quartal durchgetauscht wird.
Sondern eine, die passt, gepflegt wird und deren Zustand dokumentiert ist.
Genau wie der eigene Helm, genau wie die Sicherheitsschuhe.
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Persönlich heißt auch: respektvoll
Was mich besonders stört: Die Missachtung des Begriffs „persönlich“ ist auch ein Zeichen mangelnder Wertschätzung.
Wer willens ist, seine Mitarbeitenden auf Dächer, Gerüste, Silos oder andere Höhen zu schicken, sollte ihnen wenigstens das Vertrauen und die Ausstattung mitgeben, die ihnen ein Gefühl von Sicherheit gibt. Denn Sicherheit beginnt nicht erst beim Auffanggurt – sondern beim Gefühl, ernst genommen zu werden.

Arbeit in der Höhe mit Absturzgefahr ohne die eigene Ausrüstung? Echt jetzt?
Nö! da mache ich nicht mit. Ich will mein eigenes Material.
Nur wenn Arbeitssicherheit einfach und sexy ist, wird sie auch dauerhaft umgesetzt.
Mitarbeiter mit in die Verantwortung nehmen – das schafft auch Verbindlichkeit!
Und laut Umfragen in der Gallup-Studie, ist auch das ein Teil von dem, was sich Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber wünschen.
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Fazit aus meiner Sicht:
PSA darf nicht als Pool gedacht werden in den im Urlaub jeder reinmacht!
Wer’s persönlich meint mit der Arbeitssicherheit, der muss auch persönlich ausstatten.
Und damit meine ich nicht Etiketten mit Namen drauf, sondern
- Verantwortung,
- Passform,
- Pflege,
- Kontrolle.
Denn seien wir ehrlich: Wenn der Gurt klemmt, die Bandschlinge ausgeleiert ist und das Verbindungsmittel mehr Risse hat als eine Freitagabend-Pizza, dann ist es egal, wie oft man „Sicherheit“ im Leitbild stehen hat. Dann ist man nicht sicher, sondern nur billig.
Und das kauft man laut Oma immer zweimal! Somit wird’s am Ende doch teuer!
Andernfalls sieht es vielleicht so aus:

Laut Paragraf 30 der DGUV-Vorschrift 1 haben die Versicherten die PSA, die der Unternehmer nach Paragraf 29 zur Verfügung zu stellen hat,
auch bestimmungsgemäß zu verwenden. Bestimmungsgemäß? Was heißt das? Müsste man mal in der Bedienungsanleitung des Herstellers nachlesen.
Das könnte ganz neue Türen und Toren offen – einfach mal machen und schreibt mir!
Was passiert bei der falschen Anwendung?
Der Karabiner wie oben abgebildet hält laut Angabe des Herstellers 24kN – sprich circa 2,4 Tonnen.
Was meinst du, was er am Ende wirklich noch gehalten hat???

Im Labor konnten wir diesen Versuch nachstellen. Und er hat gerade mal 5,8kN gehalten.
Definitiv zu wenig – beachtet man, dass der Falldämpfer die Krafteinleitung im System auf max. 6kN begrenzt.
Das kann bei Fehlbedienung einen tödlichen Absturz zur Folge haben…
Ihr wollt mehr über das Thema PSAgA erfahren und braucht eine Unterweisung nach DGUV-Regel 112-198 & 199??
Sprecht mich an…
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