Ausbildung zum Level 3 in Erfurt
Über den Tellerrand hinaus: Meine Level-3-Weiterbildung in Erfurt bei GeoAlpin
Weiterbildung ist für mich mehr als nur ein Punkt auf der beruflichen To-do-Liste.
Sie ist ein Weg,
- sich selbst weiterzuentwickeln,
- neue Perspektiven kennenzulernen und
- Verantwortung noch bewusster wahrzunehmen.
Als Trainer für persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz und aufsichtsführender Höhenarbeiter Level 3 nach dem Schweizer Bergführerverband (SBV) gehört
Lernen und Lehren zu meinem Berufsalltag.
Anfang Februar führt mich dieser Weg nach Erfurt zur Firma GeoAlpin die offizieller Aussbildungsbetrieb der RAL Gütegemeinschaft Hang- und Felssicherung e.V. sind.
Dort werden unter anderem Felsberäumungen und Hangsicherungen durchgeführt – ein anspruchsvolles
Arbeitsfeld im Bereich der seilunterstützten Höhenarbeit. Nachdem mir im März einige Aufträge als Selbstständiger abgesagt wurden,
nutze ich die Gelegenheit, meine Qualifikation auch in Deutschland zu erweitern und vom Level 2 auf Level 3 aufzusteigen.
Die Ausbildung steht unter der Leitung von Trainerin Jana, die unsere kleine Gruppe
durch die intensive und sehr lernreiche Trainingswoche führt.
Neben den technischen Inhalten gibt es dabei vier zentrale Erkenntnisse, die mir besonders im Gedächtnis bleiben.

„Gemeinsam sind wir stark. Nach der Planung des Aufbaus und der Erstellung einer Materialliste, gehen wir uns Tun.
Unter Aufsicht von Trainerin Jana, wird hier eine diagonale Rettungsseilbahn aufgebaut und der komplette Ablauf
einmal durchgespielt.“
1. Sprachbarrieren überwinden – mit Bildern und Praxis
In unserer Gruppe sind auch zwei Teilnehmer aus Kroatien, die nach Deutschland gekommen sind, um hier zu arbeiten.
Beide sind hoch motiviert und fachlich höchst engagiert. Gleichzeitig zeigt sich jedoch schnell eine Herausforderung: die Sprache.
Gerade in Ausbildungssituationen, in denen Teilnehmer plötzlich Aufgaben erklären oder andere anleiten sollen,
kann eine Sprachbarriere dazu führen, dass sich Menschen eher zurückziehen.
Genau hier zeigt sich, wie wichtig Visualisierung und praktische Demonstration sind.
Als Trainer habe ich für mich ein wichtiges Learning mitgenommen:
Bilder, Skizzen und praktische Übungen sind oft universeller als Worte.
Sie schaffen eine gemeinsame Sprache – unabhängig von Herkunft oder Muttersprache.
Gerade im sicherheitsrelevanten Bereich der Höhenarbeit ist es entscheidend, dass alle Beteiligten Abläufe verstehen und Gefahren erkennen können!

„Plötzlich Führungskraft! In dieser Woche sind wir alle gewachsen! Wir dürfen voneinander lernen. Wir dürfen gemeinsam erfahren.
Wir dürfen gemeinsam applaudieren – dass wir es am Ende geschafft haben!“
2. Vom Handwerker zur Führungskraft
Ein weiterer spannender Aspekt der Ausbildung ist die Veränderung der Rollen.
Viele Teilnehmer kommen aus der praktischen Arbeit:
- Sie sind Handwerker,
- Höhenarbeiter und/oder
- Spezialisten auf der Baustelle.
Mit der Level-3-Ausbildung verändert sich diese Rolle jedoch massiv.
Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, die eigene Arbeit sicher auszuführen.
Vielmehr übernehmen die Teilnehmer Verantwortung für andere!
Sie müssen:
- Kollegen unterweisen
- Arbeitsabläufe erklären
- Gefährdungen erkennen
- Entscheidungen treffen
- Verantwortung für die Sicherheit des Teams tragen
Dieser Schritt vom ausführenden Arbeiter zur Führungskraft ist nicht immer einfach.
Genau deshalb ist es so wichtig, die Teilnehmer dabei aktiv zu begleiten und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben – sowohl fachlich als auch menschlich.
Führung bedeutet im Höhenarbeitsbereich vor allem eines: Verantwortung übernehmen.

„Da wir alle wieder gemeinsam sicher nach Hause kommen wollen, müssen wir alle zusammenarbeiten.
Egal welches Geschlecht, egal welche Herkunft! Jeder bringt seine Kompetenz mit ein, jeder hat eine Aufgabe.
WIR haben GEMEINSAM EIN Ziel!“
3. Frauen in klassischen Männerberufen
Ein weiteres Thema, das während der Ausbildung deutlich wurde, ist die Rolle von Frauen in traditionell männlich geprägten Berufen.
Unsere Trainerin Jana zeigt eindrucksvoll, wie selbstverständlich Kompetenz und Führungsstärke in diesem Umfeld funktionieren können.
In unserer kleinen Gruppe ist das Zusammenspiel sehr konstruktiv und zielorientiert.
Doch außerhalb solcher Ausbildungsgruppen sieht die Realität oft anders aus.
Gerade in Bereichen wie Bau, Höhenarbeit oder Feuerwehr müssen sich Frauen häufig stärker behaupten.
Jana selbst ist neben ihrer Tätigkeit als Trainerin auch bei der Feuerwehr aktiv.
Ihre Erfahrung zeigt: Entscheidend ist nicht das Geschlecht!
- sondern Kompetenz,
- Teamarbeit und
- das gemeinsame Ziel.
Und dieses Ziel war für uns alle klar: die Ausbildung erfolgreich zu bestehen und gleichzeitig voneinander zu lernen.
4. Interdisziplinärer Austausch: Über den Verband hinausdenken
Ein weiterer wichtiger Punkt für mich ist der Austausch über Verbandsgrenzen hinweg!
Unterschiedliche Organisationen, Ausbildungswege und Arbeitsweisen bringen verschiedene Perspektiven mit sich!
Gerade dieser interdisziplinäre Austausch eröffnet neue Blickwinkel.
Man entdeckt andere Herangehensweisen, hinterfragt Routinen und erweitert den eigenen Horizont.
Doch dieser Austausch passiert nicht von allein.
Man muss aktiv werden, sich bewegen und neue Wege gehen.
Weiterbildung bedeutet daher auch, bewusst aus der eigenen Komfortzone herauszutreten.
Oder anders gesagt: Wer Neues entdecken will, muss losgehen.
Oder um es random englisch auszudrücken:“if want to find out – you have to fuck around!“
(Aber den versteht man wieder nur, wenn man hin und wieder bei Social Media.)
Sicherheit beginnt im Kopf – und im Team
Neben diesen vier zentralen Themen steht natürlich die praktische Ausbildung im Mittelpunkt.
Ein großer Teil der Woche dreht sich um das Anleiten von Teams und das Beurteilen von Gefährdungen.
Gerade bei Arbeiten wie Felsberäumung oder Hangsicherung spielen viele Faktoren eine Rolle:
Umweltbedingungen
- Wetter und Wind
- Sonneneinstrahlung und UV-Belastung
- mögliche Steinschläge
Naturgefahren
- abgestorbene Äste oder Totholz
- instabile Felsen
- Tiere oder Insekten (z. B. Wespen)
- Pflanzen wie der Riesenbärenklau
- der Eichenprozessionsspinner
Technische Gefahren
- schwere Maschinen
- Materialbelastungen
- komplexe Seilsysteme
Darüber hinaus darf ein Faktor nie unterschätzt werden:
das Zwischenmenschliche auf der Baustelle.
Missverständnisse, Kommunikationsprobleme oder Unsicherheiten können ebenfalls zu Risiken werden.

„Wir lernen nur das, was wir BEGREIFEN! Deswegen steht in dieser Woche neben Planung auch ganz viel TUN im Vordergrund der Ausbildung.
Immer wieder machen und lernen. Jeder übernimmt mal unterschiedliche Rollen und im Anschluss gibt es eine Feedbackrunde.
Wir arbeiten mit PSA der Kategorie III – das heißt: sie schützt uns vor tödlichen und irreversiblen Gefahren!
Hier gilt: Teamwork makes the dream work! Alleine geht hier nichts!“
Lernen durch Handeln
Ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung sind verschiedene Rettungsszenarien.
Diese werde geplant, aufgebaut, durchgeführt und anschließend wieder abgebaut.
Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Vorbereitung und Struktur:
- Welche Materialien werden benötigt?
- Welche Kräfte wirken im System?
- Wo liegen mögliche Grenzbereiche?
Ich habe zusätzlich meine eigene Messzelle eingesetzt, um Kräfte in einer diagonal aufgebauten Seilbahn zu messen – ein System,
das wir für ein Rettungsszenario aufgebauen. Solche Messungen helfen enorm, um theoretische Belastungen tatsächlich zu begreifen.
Denn im wahrsten Sinne des Wortes gilt: Begreifen kommt vom Greifen.

„Planung ist die halbe Miete. Gut geplant, besser umsetzen. Und auch das muss man erst einmal verstehen.“
Ein gemeinsames Ziel
Am Ende bleibt eine Erkenntnis, die über Technik und Ausbildung hinausgeht.
Ich sage oft mit einem Augenzwinkern:
Arbeit ist auch nur ein Spielplatz für Erwachsene.
Doch hinter diesem Satz steckt eine ernsthafte Wahrheit.
Wir arbeiten alle gemeinsam an einem Ziel:
unsere Aufgaben professionell zu erledigen und am Ende des Tages wieder sicher nach Hause zu kommen.
Dafür tragen wir Verantwortung – für uns selbst, für unsere Kollegen und für die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten.
Und genau deshalb lohnt sich jede Weiterbildung!
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GeoAlpin ist Ausbildungsbetrieb der RAL Gütegemeinschaft Hang- und Felssicherung
