Ich mach jetzt mal PSAgA Trainer
Vom Kletterpark zum Absturztrainer – oder: Warum „Mal eben unterweisen“ ein gefährlicher Witz ist
Es gibt Lebensläufe, die plant man.
Und es gibt Lebensläufe, die entstehen, weil man irgendwann merkt: „Moment mal… das hier ist wichtig!“
Meiner gehört definitiv zur zweiten Kategorie.
Angefangen hat alles vor ziemlich genau 27 Jahren. Kommunikationselektroniker – ein solider Beruf, technisch, strukturiert, sicher.
Zumindest auf dem Papier. Doch wie das so ist: Das Leben hat selten Interesse an geraden Linien. Ein paar Umwege später stand ich plötzlich im Wald.
Nicht verloren – sondern mit einer Idee.

„Ausbildung zum Hochseilgartentrainer im Allgäu absoliviert
SKT-A bei der Müncher Baumkletterschule und zahlreiche Qualifikationen bei den Verbänden IAPA und ERCA.
Und plötzlich bin ich die Führungskraft als Inhaber eines Kletterwaldes.
Weder kompetenzlos noch ahnungslos. Denn wenn man über Sicherheit spricht, sollte man sicher sein im Tun!“
200.000 Menschen zwischen Bäumen und Verantwortung
2006 habe ich meinen eigenen Kletterpark eröffnet. Damals war das noch nicht überall ein „Event“. Es war Pionierarbeit. Und vor allem: Verantwortung.
Für die Gäste, die zum Kletten in den Bäumen kommen und auch für Mitarbeiter, die ausgebildet werden müssen.
In den folgenden 15 Jahren habe ich mit starken TEAMS (denn alleine geht so etwas nicht!) ungefähr 200.000 Menschen in die Bäume geschickt. Und – das ist der entscheidende Punkt – auch wieder sicher runtergebracht.
Okay manchmal mussete nachgeholfen werden…
Parallel dazu habe ich rund 250 Mitarbeiter über diese Zeit ausgebildet – zum Retten der Gäste aus den Parcours und auch dafür fit gemacht,
dass sie die Gäste instruieren, sicher durch die Parcours zu klettern.
Junge Leute, Aushilfen, Studierende. Menschen, die plötzlich Verantwortung für andere übernehmen sollten:
- Für Sicherungssysteme.
- Für Entscheidungen in der Höhe.
- Für Situationen, die man am Boden nicht mal ansatzweise versteht.
Und genau da habe ich etwas gelernt, was mich bis heute begleitet:
Sicherheit entsteht nicht durch Ausrüstung. Sicherheit entsteht durch Menschen, die wissen, was sie tun.
und das auch an andere wieder weiter vermitteln können…

„Wissen wovon man redet – also in dem Fall war dieser MAN dann ich selbst .- Als Inhaber, Betreiber, Teammitglied und vor allem als der,
der die komplette Verantwortung getragen hat…
Parallel zum Betrieb des Kletterparks habe ich mich auch selbst immer wieder weiter qualifiziert…“
Vom Betreiber im Wald zum Trainer für andere
2021 kam dann der Cut. Der Kletterpark wurde zurückgebaut. Komplett! Der Pachtvertrag war ausgelaufen, die Gäste kamen nicht mehr so wie früher
und der Wald hat durch die trockenen Sommer 2017 – 2019 stark gelitten. Das Wissen? Die Kompetenzen?
- 15 Jahre Erfahrung – einfach wegwerfen?
- Nein.
- Transformiert!
Oder es mit dem Titel von „fast an furious“ zu sagen: neues Modell – Originalteile!
Nach einer kurzen Phase des Suchens wurde schnell klar:
Das, was ich wirklich gut kann, ist nicht Bäume aufbauen.
Es ist, Menschen zu befähigen, sicher zu arbeiten.
Heute bin ich:
- Aufsichtsführender Höhenarbeiter Level 3
- Trainer für persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA)
- Seminarleiter für Arbeitssicherheit
- Und jemand, der weiß, wie sich Verantwortung anfühlt, wenn sie real ist
Ich war 2024 auf der AIDA und habe Mitarbeiter geschult, wie sie Gäste aus Höhenanlagen evakuieren.
Ich habe 2025 ein Seminar auf Englisch in Dänemark gehalten.
Alles gut. Läuft. Könnte man meinen.
Und dann sitzen sie da…
Dann beginnt das Seminar.
Und vorne sitzt jemand, der dich anschaut wie ein Schüler am ersten Schultag.
- Nicht neugierig.
- Nicht motiviert.
Sondern mit diesem Blick, der sagt: „Mein Chef hat gesagt, ich soll hier hin.“
Und genau da beginnt mein Frust.
Denn diese Person soll später im eigenen Betrieb:
- Unterweisungen durchführen
- Verantwortung übernehmen
- Entscheidungen treffen, wenn es kritisch wird
Für Arbeiten in der Höhe. Mit PSA gegen Absturz. PSA-Kategorie 3. Also der Kategorie, die uns vor tödlichen oder irreversiblen Gefahren schützt.
Ich denke so:“Das ist kein Excel-Kurs bei der Vhs!“
Das ist kein „wir schauen uns mal was an“.
Das ist der Unterschied zwischen:
👉 „Alles gut gegangen“ und
👉 „Warum hat keiner richtig geschult?“

„Ich glaube manche Führungskräfte sind sich weder ihrer Verantwortung bewusst noch wurde ihre Rolle mal klar definiert.
Hauptsache das Gehalt stimmt und der Firmenwagen passt daheim in die Garage und das Tablet kann sich mit dem Handy synchronisieren.
Wertschätzung schreibt man in der Grammatik und der Firmenphilosophie groß – das war´s dann auch. Reicht!“
Sparen, sparen, sparen – und hoffen, dass nichts passiert
Und hier kommt der Teil, wo es ein bisschen zynisch wird.
Unternehmen investieren heute in:
- Hochglanz-Broschüren
- Employer Branding (CI, CD – egal, was die Abkürzungen bedeuten, Hauptsache noch mehr glänzen nach außen, wie es die Broschüre ohnehin schon tut!)
- Obstkörbe (die einmal die Woceh gefüllt werde und gut ist. Gelebte Wertschätzung halt!)
Aber wenn es um echte Sicherheit geht, hört man oft:
„Kann das nicht einer von uns intern machen?“
Klar. Warum nicht?
Warum auch jemanden einsetzen, der:
- Erfahrung hat
- Situationen erlebt hat
- Verantwortung getragen hat
Stattdessen nimmt man jemanden, der:
- „Zeit hat“
- „sowieso technisch ist“
- „das bestimmt schnell lernt“
Und plötzlich ist er da: Der neue „PSA-Beauftragte“.
Ohne echte Erfahrung. Ohne Leidenschaft (oder random englisch: Passion!). Aber mit Verantwortung für Menschenleben.
PSA Kategorie 3 – kein Spielplatz
Vielleicht muss man es nochmal klar sagen: PSA gegen Absturz gehört zur Kategorie 3.
Das bedeutet:
- Schutz vor tödlichen Gefahren
- Schutz vor irreversiblen Schäden
Das ist die höchste Risikoklasse! Und trotzdem wird die Ausbildung dazu manchmal behandelt wie:
„Mach mal schnell eine Unterweisung.“
Das ist der Punkt, an dem es kritisch wird.
Denn:
- Ein falsch angelegter Gurt
- Ein falsch gewählter Anschlagpunkt
- Ein fehlendes Verständnis für Kräfte
… sind keine theoretischen Fehler. Sie haben Konsequenzen. Der Unterschied zwischen Wissen und Können
In meinen Trainings sehe ich es jeden Tag:
Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen:
„Ich habe das mal gehört“ und „Ich habe verstanden, was passiert“
Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen.
Ein guter Trainer:
- erklärt nicht nur
- zeigt nicht nur
- sondern sorgt dafür, dass Menschen begreifen
Ein schlechter Trainer? Hakt Checklisten ab.

„Wissen ist zwar Macht – aber wenn man sein Wissen nicht vermitteln kann, dann steht man irgendwann allein da.
Und wenn man nichts weiß und keine Alternativen hat und/oder das WARUM für sein TUN nicht erklären kann,
wie sollen einem denn dann die Teilnehmer ernst nehmen? Wie sollen die wirklich was für ihren Job lernen?“
Warum Leidenschaft kein Bonus ist – sondern Pflicht
Was viele unterschätzen: Man kann PSA nicht „nebenbei“ machen.
Es braucht:
- Interesse
- Verantwortung
- den Willen, sich weiterzuentwickeln (mal ganz davon abgesehen, dass es auch gefordert wird von der DGUV)
Denn jede Situation ist anders:
- Dächer
- Industrieanlagen
- Bäume
- Gerüste
Und überall gilt:
👉 Fehler verzeiht die Höhe nicht.
Mein Fazit – und vielleicht auch ein kleiner Appell
Ich habe 15 Jahre lang Menschen in Bäume geschickt. Ich habe gesehen, wie schnell Situationen kippen können. Und ich habe erlebt, wie entscheidend gute Ausbildung ist.
Deshalb fällt es mir schwer zu akzeptieren, wenn Unternehmen sagen:
„Das machen wir intern.“
Nicht, weil intern schlecht ist.
Sondern weil es oft halbherzig passiert.
Und halbherzige Ausbildung hat in der PSA nichts verloren.
Denn am Ende geht es nicht um Vorschriften!

„Wissen vermitteln. Wissen weitergeben. Wenn man keins hat oder nur abgelesen hat und den Job halt machen muss,
weil sonst kein anderer da ist. Da darf die Frage erlaubt sein, ob man die fachliche Expertise nicht lieber einmal im Jahr
einen externen Trainer vergibt, der auch mal über den Tellerrand hinaus blickt und vielleicht den einen und anderen blinden Fleck aufdeckt,
über den sich andere schon gar nicht mehr getrauen zu reden…“
Worum es nicht gehen sollte vs. worum es geht:
Es geht nicht um:
- Dokumentation
- Unterschriften
- Nachweise
Es geht um etwas viel Einfacheres:
👉 Menschen kommen morgens zur Arbeit – und sollen abends wieder nach Hause kommen.
Und dafür reicht kein „mal eben“.
Dafür braucht es:
- Wissen
- Erfahrung
- und ja – auch Leidenschaft

Man sollte nicht nur stumpf sein Wissen vermitteln, sondern auch Begeisterung mitbringen.
Das ganze ist so zwischen Lehrer, Trainer und Entertainer. am besten noch so ein bisschen selbst reflektiert.
Auch wenn das vielleicht nicht immer so wirkt – aber ich glaub das kann ich!
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