Freiflug ohne Fallsicherung – Gedanken aus deutschen Betrieben
Als Trainer für Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) bin ich aktuell deutschlandweit unterwegs.
Ich sehe Produktionshallen, Dächer, Türme und Masten – und vor allem sehe ich Menschen.
Menschen, die arbeiten, Verantwortung tragen und jeden Tag starken Einsatz bringen, um den Laden am Laufen zu halten. Und in den letzten Jahren höre ich immer öfter denselben Satz, unabhängig von Branche oder Region: „Es geht bergab!“
Geht es in Deutschland leicht bergab? oder sind wir bereits im Freifall?
Neulich war ich in einem Betrieb, in dem die Mitarbeiter seit drei bis vier Jahren zuschauen, wie das Unternehmen Schritt für Schritt abrutscht.
Nicht mehr stolpert – sondern bereits im freien Fall ist – scheinbar ohne Sicherung! Die Frage ist dort nicht mehr ob man unten aufschlägt, sondern einfach nur noch wann.
Viele haben innerlich bereits gekündigt und planen den Absprung, weil sie inzwischen nicht mehr bereit sind noch mehr Energie aufzubringen oder weil der Akku einfach leer ist!
Der Instandhalter mit 26 Jahren beendet noch die Meisterschule und dann ist er raus aus dem Laden. Wohin? Egal! Hauptsache weg!
Der Kranbediener Ende 50, seit 30 Jahren im Unternehmen, spricht mit belegter Stimme, als er darüber berichtet, dass er den Produktionsbereich noch nie so leer gesehen hat und dass von den 16 Maschinen seit knapp zwei Wochen nur noch eine läuft. Er ist zwar bestens qualifiziert – und gleichzeitig überzeugt, dass der Arbeitsmarkt für ihn nichts mehr bereithält.
Festgeschnallt im Sinkflug, ohne Notausgang.

„Laut den Regularien der DGUV hat man sich ab 2m Höhe zu sichern. Gerechnet als Lichte Weite von der Fußsohle bis zum Boden.
Aber in den Firmen geht es scheinbar völlig ungesichert, rücksichtslos und ohne Empathie im Freiflug Richtung Boden!“
Verantwortung will keiner mehr tragen! – schon gar nicht die Führungskräfte
Woran liegt es aus Sicht der Mitarbeiter?
Die Antworten sind erschreckend ähnlich:
- Führungskräfte mit BWL-Abschluss jonglieren mit Kennzahlen, aber nicht mit Verantwortung.
- Führung findet auf Excel-Ebene statt.
- Entscheidungen werden vertagt, Kommunikation endet an der Abteilungstür, und das Zepter will niemand wirklich in die Hand nehmen.
Ich dachte lange, das sei reine Frustration „von unten“. Bis ich mittags in der Kantine saß und am Nachbartisch die Ingenieure exakt dasselbe bestätigten.
Und wenn zwei Quellen unabhängig voneinander über eine Sache berichten, dann kann man davon ausgehen, dass die Fakten wirklich wahr sind!
Und wo setzen die überbezahlten Zahlendreher die Sparbremse an?
Da, wo es am Einfachsten ist: bei denen, die die eigentliche Arbeit machen – und ohnehin am wenigsten verdienen.
Die, die das Geld erwirtschaften, sollen den Gürtel enger schnallen. Der Frust steigt. Und womit? Mit Recht!

„In meiner Zeit als Betreiber des Kletterwald war ich plötzlich auch Chef, Führungskraft, Arbeitgeber. Gar nicht so einfach, wenn man in eine Rolle
hineinschlüpfen muss, deren Rolle man eigentlich gar nicht so wirklich einnehmen möchte. Aber einer muss den Job ja machen. Am Anfang gab es viele
Herausforderungen, die es galt zu meistern und nach und nach wurde es besser. Ich würde sagen, dass ich mich über die Jahre weiterentwickelt habe.“
Die Gallup-Studie zeigt die Entwicklung über die letzten 20 Jahre
Die Gallup-Studie zur emotionalen Mitarbeiterbindung bestätigt dieses Bild seit über 20 Jahren erstaunlich konstant. Etwa 11–14 % der Mitarbeiter haben eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen. Sie brennen für ihre Arbeit.
Rund 68–73 % machen Dienst nach Vorschrift – sie laufen mit.
Und 13–16 % haben innerlich längst gekündigt und beobachten den Niedergang mit einer Mischung aus Zynismus und Gleichgültigkeit.

„Auch wenn der letzte Eintrag dieser Übersicht der Gallup-Studie in 2021 endet. Erschreckend ist doch, dass man Unternehmensberater hat,
Teamtrainer und Führungskräfte-Trainings veranstaltet und scheinbar ist das mehr Ringelpietz mit Anfassen, um nach Außen zu zeigen, dass man etwas tut.
Getreu dem Motto: Außen hui und gleichzeitig innen pfui. Wir leben quasi in einer Scheingesellschaft. Hauptsachen man das passende Zertifikat zur Hand,
wenn es drauf ankommt!“
Steve Jobs sprach weniger diplomatisch über A-, B- und C-Mitarbeiter. Er war der Meinung, dass man sich von den C-Typen schnell trennen sollte.
Sie bringen der Firma nichts!
- schmarotzern nur rum,
- ziehen die anderen runter und
- werden selbst nur durchgezogen.
In wirtschaftlich starken Zeiten brauchst du diesen Typ C vielleicht, weil du auch einfach gestrickte Typen für die leichten Aufgaben brauchst.
Aber in wirtschaftlich schwachen Zeiten, muss man den Ballast abwerfen, der dich nach unten zieht.

„Vom Bild her ordne ich dem Typ C die Möwe zu. Sie kommt in die Teeküche wild reingeflattert, schnattert irgendwas rum,
was keiner versteht, kackt auf die Theke und fliegt wild schnatternd wieder raus. Was zurück bleibt ist einzig ein Haufen Scheiße!
Will man mit solchen Menschen zusammenarbeiten? Ich nicht!!!“
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Starke Zeiten bringen schwache Menschen hervor
Auch wenn es bei einigen Firmen aktuell noch in kleinen Stücken vorangeht, befinden wir uns im Großen eher in schwierigen Zeiten – vielleicht nicht in allen Branchen. Energiepreise, Bürokratie, Unruhen in Teilen der Welt und dadurch Unsicherheit an den Märkten. Aber die entscheidende Frage ist eine andere: Stehen wir als Wirtschaftsstandort Deutschland noch vor dem Abgrund oder befinden wir uns längst im Tiefflug? Und wenn ja, wann schlagen wir auf?
Haben wir eine Chance die Bremse zu ziehen oder schaffen wir es sogar das Ruder rumzureißen? Und was brauchen wir dazu?
Häufig wird vom Fachkräftemangel gesprochen. Der soll ja durch Einwanderung ausgeglichen werden. Doch ich stelle mir die Frage, wenn wir gerade so viele Fachkräfte freisetzen, weil teils im großen Stil Mitarbeiter entlassen werden, haben wir dann nicht ausreichend Menschen für die Arbeiten die anstehen? Oder ist die Zahl der fachlich starken Menschen die das Land verlassen, um an anderer Stelle ihr Glück zu finden, schon zu stark angestiegen?

„Ist der Standort Deutschland noch zu retten? Oder sucht man lieber das Weite, wie es eine Anzahl gut ausgebildeter Fach- und Führungskräfte inzwischen macht.
Ich meine nicht die Strategen aus dem Trash-TV, die vor laufender Kamera das Weite suchen, um eine Kneipe auf Mallorca aufzumachen, ohne Sprachkenntnisse und Know-How in der Gastronomie. Dann aber ein halbes Jahr später wild heulend wieder zurückkommen und plötzlich wieder Hilfe von dem Land haben wollen, was sie scheinbar mit völliger Inkompetenz im Tun verlassen haben.
Die Zahl der gut ausgebildeten Menschen, die Deutschland den Rücken kehren und in der Schweiz oder Kanada ihre neue Existenz aufbauen, stieg in den letzten 10 Jahren
von 130.000 pro Jahr auf heute gut 250.000 – also fast doppelt so viele!“
Fachkräftemangel oder Führungsprobleme? DAS ist hier die Frage!
Aus meiner Sicht haben wir weniger ein Fachkräfteproblem als vielmehr ein massives Führungskräfteproblem. Und das schon seit geraumer Zeit. Doch wie bei so vielen anderen Themen, traut sich nur mal wieder keiner das Problem direkt anzusprechen. Wie das kleine Kind, dass etwas ausgefressen hat und einfach die Augen schließt, um dadurch dem Problem zu entgehen, nämlich der Ansage durch die Eltern.
Das Problem der schlechten oder keiner Führung ist, dass die guten Mitarbeiter irgendwann einen anderen Job haben und das Unternehmen verlassen. Obwohl sie eigentlich die Führungskraft verlassen, die nicht für Zuversicht und klare Strukturen sorgen kann. Ziele werden nicht mehr definiert, Vorankommen ist nicht mehr möglich oder auch gar nicht gewollt und von einer Vision mit der man den Karren aus dem Dreck ziehen könnte gar nicht zu sprechen.
Was es in solchen Phasen schon mal gar nicht braucht, sind Unternehmensberatungen, die viel Geld kosten und einem das sagen, was man so oder so schon weiß, sich aber einfach nicht eingestehen will, weil man ja sonst Verantwortung dafür tragen müsste, dass man in den letzten 2-3 Jahren, dem schlechten Geld auch noch gutes hinterher geworfen hat.

„Beim Klettern heißt es: Partnercheck – sonst Partner weg!“ Gemeinsam sicher durch den Alltag kommen und aus eigener Kraft mittags wieder nach Hause.
Bei der Arbeit mit PSA der Kategorie III reden wir von tödlichen oder irreversiblen Verletzungen. Einer muss auf den anderen Acht geben.
Nur gemeinsam ist dieser Job möglich.“
Leader vs. Boss – Wir brauchen Menschen die andere befähigen und begeistern!
Was es jetzt braucht, sind Führungskräfte, die führen. Und zwar zuversichtliche und menschliche Leader und keine, die ihren Geltungsdrang ausleben und mit einer Empathie-Blockade die Bedürfnisse der Mitarbeiter abschmettern, wie das Imprägnierspray von Deichmann das Regenwasser am Outdoorschuh im Herbstwetter.
- Menschen, die Ziele klar benennen und mit ihren Teams vereinbaren.
- Die erklären, wo die Reise hingeht, und warum.
- Und hinter dem mittelfristigen „Warum“ ein langfristiges „Wozu“ für die Vison des Unternehmens platzieren.
Die nicht nur innerhalb ihrer Abteilung denken, sondern über Schnittstellen hinweg kommunizieren. Netzwerk statt Silodenken. Die, die Mitarbeiterbesprechungen wieder ernst nehmen und mit Leben füllen und nicht solche Thinktank-Laptop-Träger-Spacken, die die Anliegen „mal mitnehmen“ aber beim Verlassen des Besprechungsraums an der Schwelle schon wieder vergessen haben.

„Miteinander reden könnte oftmals der absolute Gamechanger sein. Aber das muss man halt auch können!
Und manchmal musst du als Führungskraft auch unschöne Dinge ansprechen.“
Die größte Herausforderung der Zukunft? Miteinander kommunizieren
Eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre wird die gemeinschaftliche Kommunikation sein. Nicht das Reden von oben nach unten – oder wie man so schön random-englisch sagt: „Top-Down“ – sondern echter, ehrlicher und auch mal kritischer Austausch im Team.
- Eine neue Diskussionskultur, in der Fragen erlaubt sind.
- In der Widerspruch nicht als Angriff gewertet wird.
Doch genau hier scheitert es oft.
Hatte vor Jahren noch Oliver Kahn „Eier, Eier, wir brauchen Eier!“ gefordert, entwickeln wir uns aktuell zu einer immer schwanzloseren Gesellschaft, die keine Entscheidungen mehr trifft, weil man gegebenenfalls ja auch mal Verantwortung übernehmen müsste.
Zu häufig erlebe ich Führungskräfte, die sich wie unantastbare Alpha-Tiere verhalten und sich wie eine Mimose bei kleinsten Erschütterungen zusammenziehen, allerdings in ihrem Narzissmus gekränkt dann nicht mehr ans Tageslicht zurückkehren, sondern sich hinter ihrem Schreibtisch verbarrikadieren.
- Entscheidungen werden also nicht mehr getätigt
- Kritik wird persönlich genommen,
- Nachfragen als Infragestellung der eigenen Autorität verstanden.
Bringt das das Unternehmen voran? Nein! Das lähmt ganze Teams und das Vorankommen des ganzen Unternehmens. So entsteht keine Vision, so entsteht Stillstand. Und während wir anfangen jedem plötzlich für seine Wehwechen eine Torte zu backen, zieht der weltweite Wettbewerb im technisch üblegeneren Vergleichsprodukt auf der Zielgerade grinsend an uns vorbei.

„Gut gebrüllt Löwe. Auf jeden Fall ein Alphatier. Aber ist er auch ein guter Teamplayer?
Er paart sich mit der Löwin, bleibt noch kurz bis zur Geburt und macht sich dann auf den Weg, um die nächste zu begatten.
Allerdings beißt vorhandenen Nachwuchs tot, weil nur er seine Gene weitergeben will. Das Bild des Löwen passt nur bedingt zur guten Führungskraft.“
Selbstbewusstsein bedeutet, dass du dir deiner selbst bewusst bist – aber tut das schon???
Wenn Führungskräfte ihre Rolle als solche nicht ausfüllen und sich bei kritischen Fragen persönlich angegriffen fühlen und nicht mehr auf der Sachebene lösungsorientiert ins Gespräch gehen , dann wirkt das nicht gerade wie Altersgerechtes Verhalten. Da wird das innere Kind zur Show gestellt aber keine Probleme gelöst. Das behindert das Vorankommen, weil Kinder nunmal keine Entscheidungen treffen müssen, weil sie in der Verantwortung der Eltern stehen.
Mit anderen Worten: die Rollen sind hier nicht klar!
Gerade in Zeiten zunehmender Regulierung, etwa im Arbeitsschutz und in der Arbeitssicherheit, funktioniert reines Top-down-Delegieren nicht mehr. Vorschriften lassen sich nicht einfach abladen. Mitarbeiter müssem von kompetenten Führungskräfte abgeholt werden, die ihre Kraft auch wirklich in die Aufgabe der Führung stecken.
Wer als Führungskraft seine Kraft ins Tagesgeschäft steckt, bringt das Team kaum voran. Wer führen will, muss frei von Arbeit sein!
Wir sind hier auf der Arbeit und nicht in Therapie. Sein inneres Kind muss man irgendwo anders heilen, aber nicht im Job zu Lasten des Teams.
Jedes Team braucht eine übergeordnete Vision auf die man langfristig hinarbeiten muss. Nur gemeinsam schafft man das Vorankommen und auch dazu müssen auch alle ihre Eigenverantwotung miteinbringen und nicht einfach nur ihre Zeit absitzen. Es kann nicht sein, dass ein paar wenige motivierte Mitarbeiter die Fahne noch hoch halten, die Schmarotzer durchziehen, dabei noch innerlich krank werden und bei diesem ganzen Wahnsinn mit noch mehr Aufgaben belohnt werden, nur weil sie Gefahr sehen ihren Job zu verlieren.
Wofür stand T-E-A-M nochmal? Ich frage für einen Freund…
Team steht nicht dafür, dass es ja ganz toll ist, wenn ein anderer den Job macht. Was auch nichts anderes bedeutet, dass Verantwortung weitergegeben wird.
In meinen Augen ist TEAM ein englisches Akronym dafür, dass jeder einzelne in der Gemeinschaft mehr erreichen kann, als alleine.
(TEAM= Together Everyone Achieves More)
Was wir brauchen, sind Führungskräfte mit innerer Haltung. Menschen, die Entscheidungen treffen und zu ihnen stehen. Die Fehler auch reflektieren und dadurch als Teil des Weges begreifen und nicht als persönliches Versagen, dessen Last sie erst gar nicht auf sich nehmen wollen. Die Zuversicht vermitteln, ohne die Realität zu beschönigen. Und die den Fokus wieder stärker auf das Positive richten, statt permanent im Krisenmodus auf Sparflamme zu bleiben oder in einer todesähnlichen Schockstarre zu verharren.
Wenn wir wollen, dass Unternehmen, Teams und letztlich auch der Wirtschaftsstandort Deutschland wieder an Stabilität gewinnen, dann führt kein Weg an echter und gesunder Führung vorbei. Nicht laut, nicht autoritär, sondern klar, verbindlich und menschlich. Alles andere ist weiterhin Tiefflug, bei dem uns der Boden näher kommt und vielleicht sogar in einer Bruchlandung endet.
Und das ohne Helm, Auffanggurt und Falldämpfer, sondern mit der vollen Härte eines massiven Aufschlags.

„Zuversichtlich nach vorne schauen – das ist meine Devise.
Wenn es um gute Unterweisungen rund um das Thema Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) geht,
kann ich dich gerne unterstützen.
>>> Schau einfach mal hier vorbei (hier klicken)
Jahrelange Erfahrung und die Motivation etwas mit Seilen, Karabinern und Menschen zu tun – das ist meine Motivation!“
